Dieter Jasper

Die politische Internet-Zeitung aus Duisburg

Aschermittwoch. Alles vorbei. Alles Scheiße! Es gibt diese Tage, da kommt einem alles so mickrig und klein vor. Und der Aschermittwoch ist schon rein routinemäßig so ein Tag. Die Passionszeit beginnt. Es ist alles so furchtbar. Mickrig und klein, ja: richtig klein. 

Duisburg zum Beispiel. „Die politische Internet-Zeitung aus Duisburg“ – lächerlich. Schämen sollte man sich. Mein Gott, wie klein ist das denn?! Dieses Kaff. Pleite. Sein Gurkenverein. Pleite. Der Boss. Wahrscheinlich auch pleite. Alle pleite. Wenn schon der Kapo vom Stamo keine Flocken mehr hat … - ich meine: kleiner geht es ja wohl echt nicht mehr! Mein Gott, ist das alles klein!
Und ich lebe mittendrin. Nein, nicht im geographischen Sinne. So gesehen wohne ich im Westen vom Westen. Auf der Karte: linksaußen. Wow! Aber Duisburg ist ja nicht groß – eher klein. Mein Gott Duisburg! 

Walter war nicht groß, war eher klein,
trotzdem glaubte er von den kleinen einer der größten zu sein
 

Ein uraltes Mike-Krüger-Lied; passt irgendwie ganz gut zu Duisburg. „Eher“ klein, nicht ganz klein. Immerhin 233 km2 – da gibt es haufenweise kleinere …
… Städte oder Gemeinden. Aber eben auch größere. Berlin zum Beispiel. Die Hauptstadt ist fast viermal so groß wie unser Kaff hier: 892 km2. Ein echter Hammer, nicht wahr?!
Okay, Berlin ist auch pleite – stellt aber etwas dar. Und ist groß, ganz schön groß. Und wir hier? Mein Gott sind wir klein! Schon im Vergleich zu Berlin. Und Berlin? – Im Grunde auch popelig. Genau genommen: mickrig und klein. Und arm. Im Grunde genommen: genau wie wir … 

Dabei: das muss gar nicht so sein. Es geht auch anders! Es geht auch groß. Und wohlhabend. Und alles. Wohlstand für alle. Hören Sie mir auf mit Dubai! Alles auf Pump, völlig unseriös; letztlich arme Schlucker, die nur den großen Maxe machen woll(t)en. Peinlich so etwas!
Warum denn in die Ferne schweifen?! Nichts ist unmöglich, anything goes – sogar hier, direkt um die Ecke. In NRW. Groß, wohlhabend, seriös – die Welt kann so schön sein.
So schön wie im Kreis Steinfurt, dem größten Kreis in NRW. Der hieß bis 1975 Burgsteinfurt und wird auch heute häufig noch so genannt. Ja, der ist groß, der Kreis Steinfurt, richtig groß! Er umfasst eine Fläche von 1791 km2, ist also doppelt so groß wie Berlin, dafür aber eben nicht so arm. Da lohnt es sich zu leben, da, im Kreis Steinfurt, ist man am Puls der Zeit!

Klar, hier bei uns ist Tristesse angesagt. Die Arbeitslosenquote in Duisburg beläuft sich auf 13,3 Prozent. Doch dabei wird so leicht vergessen: in der Hauptstadt sieht die Sache noch schlimmer aus. Die Arbeitslosenquote beträgt in Berlin 14,5 Prozent. Und an den großen, riesengroßen Kreis Burgsteinfurt denkt bei alledem kein Mensch. Eine Gebietskörperschaft doppelt so groß wie Berlin; und diese Größe, diese wirkliche Größe, schafft es mit einer Arbeitslosenquote von 5,5 Prozent. Wahnsinn!
Und weil das Sein das Bewusstsein bestimmt, weil es eben etwas Anderes ist, ob man in einem Ghetto aufwächst, oder ob man in vernünftigen Verhältnissen groß wird, deshalb … - ja genau: deshalb!
Deshalb gibt es da auch einen ganz anderen Menschenschlag als beispielsweise hier. Hier, wo alles so klein und mickrig ist. Das ist eine ganz andere Rasse – können Sie gar nicht vergleichen! Wenn Sie sich nur einmal ansehen, wen die so in den Bundestag schicken. Nur mal so als Beispiel.
Nur mal so als Beispiel den Dieter Jasper; der vertritt den Bundestagswahlkreis Steinfurt III. Okay, mehr als drei Wahlkreise hat dieser riesengroße Kreis auch wieder nicht. Keine Ahnung, warum Berlin fünf hat. Aber so ist das halt.

Also zum Beispiel Dieter Jasper; allein schon dessen Biographie! Kein Vergleich mit diesen Leuten aus Berlin oder Duisburg. 1962 hatte er in Hopsten das Licht der Welt erblickt. Ja, in Hopsten, das liegt im Kreis Steinfurt. Sie wissen aber auch nichts!
Von 1969 bis 1973 hat er dort die St. Georg Grundschule besucht; dann ab aufs Gymnasium. Auf das Städtische Goethe Gymnasium in Ibbenbüren, auch im Kreis Steinfurt. Dort hat er dann 1982 sein Abitur gemacht.
Schon rief die vaterländische Pflicht, der Barras. Seinen Grundwehrdienst absolvierte Dieter Jasper beim Jagdbombergeschwader in Rheine in den Jahren 1982 und 1983. Kampfflugzeuge, cool! Und: was meinen Sie wohl, wo Rheine liegt?
Aber dieser riesengroße Kreis hat halt keine Universität. Aber Gott sei Dank ist eine in der Nähe, nämlich die Westfälische Wilhelms-Universität in Münster.

Dieser Dieter Jasper, ein Typ! Genau wie ich. Nie so richtig weg von Muttis Ofen. Auch dann nicht, wenn man raus aus dem Haus ist, um in aller Ruhe zu studieren. Sieben Jahre hat er da an der Uni rumgehangen. Genau wie ich. Ich war aber auch in Sachen Studentenrevolution schwer beschäftigt. Das ist bei Dieter Jasper nicht so ohne weiteres anzunehmen. Auch dass er nicht mehr in seinem Kinderzimmer Heia gemacht hat – reine Spekulation.
1990 war er dann fertig mit seinem Studium. Mit dem Studium der Betriebswirtschaftslehre, versteht sich. Denn, na ja: Leben heißt Pflichterfüllung. Und irgendjemand musste sich ja um Papas Firma kümmern. Da hat er dann auch gleich 1990 angefangen. Dieter Jasper wurde kaufmännischer Angestellter bei der Josef Jasper GmbH & Co. KG in Hopsten. GmbH & Co. KG – das ist gut. Ich habe Ökonomie nur im Nebenfach studiert. Und Handelsrecht, wenn ich da ein, höchstens zwei Seminare besucht hatte. Aber soviel hatte ich schon auf dem Gymnasium gelernt: GmbH & Co. KG, eine tolle Sache. Irgendwie haftet da niemand.

Aber bevor der Dieter Jasper sein Diplom bekommen hatte, wurde es richtig hart. Der Ernst des Lebens. Es hieß: richtig alle Tricks und Kniffe lernen. Echt wahr: 1989 und 1990 war der kleine Dieter bei der Kienbaum Unternehmensberatung Düsseldorf.
Das müssen Sie sich nur einmal vorstellen! Richtig weg von Muttis Ofen, um bei Kienbaum zu schuften und gleichzeitig die Diplomarbeit zu schreiben. Ja, die Sitten im Mittelstand sind rau. Und Dieters Papa, der Robert Jasper war streng. Verdammt streng.
Aber er wollte ja nur das Beste. Für seinen Sohn Dieter – und natürlich für die Firma. 1991 war es dann endlich so weit. Dieter, immerhin schon 30, wurde geschäftsführender Gesellschafter der „Josef Jasper GmbH & Co. KG“ in Hopsten. Ein Leistungsträger unserer Gesellschaft. Es folgt, direkt von der Homepage, ein kleiner Exkurs zur Historie der Firma Josef Jasper Behälter- und Apparatebau:

Die im Jahr 1818 von Heinrich Woltering in Hopsten gegründete Schmiede und Schlosserei wurde im Jahr 1876 von Matthias Jasper übernommen.
“Nach dessen Tod im Jahr 1918 führte sein Sohn Josef Jasper, der Namensgeber des heutigen Unternehmens, den Betrieb fort und erweiterte ihn um den Maschinen- und Heizungsbau.
Die Söhne Robert und Paul Jasper übernahmen nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1972 die Leitung des Unternehmens. In den folgenden Jahren spezialisierte sich die Firma Jasper immer mehr auf den Bereich des Behälter- und Apparatebaus.
Im Jahr 1991 übernahm Dieter Jasper die Geschäftsanteile seines Vaters Robert Jasper.”

Ich sagte ja bereits: gute Rasse! Leistungsträger, für die sie sich gelohnt hat, die Leistung, und heute – muss man leider sagen – immer weniger lohnt. Sie wissen schon: Sozialneid und so. Der Wunsch nach anstrengungslosem Einkommen. Anstatt nach einer – wie es sich für anständige Leute gehört – fetten Erbschaft.
Man erbt ja sozusagen die ganze Verantwortung mit. Und den Papa im Nacken, dem man lebenslang noch zeigen muss (auch wenn der schon lange unterm Rasen liegt), dass man es selbst auch ganz schön bringt.
Aber man bringt es nun einmal nicht. Der Walter Hellmich erbt … und fährt die Karre komplett gegen die Wand. Und auch unser Dieter Jasper … - sagen wir mal so: er hat einen Fehler gemacht. Er hat „die Möglichkeit einer externen Promotion gesucht und die in Teufen in der Schweiz gefunden. So habe er neben seiner Arbeit im Betrieb in Hopsten seine Doktorarbeit schreiben können.“
Im Gespräch mit der Lokalzeitung im Kreis Steinfurt erläuterte Jasper, er habe in den Jahren 2003/2004 an der Freien Universität Teufen in der Schweiz eine Arbeit mit dem Thema „Elemente und Strukturen von Managementsystemen in KMU (Klein- und Mittelständischen Unternehmen) - Betriebswirtschaftliche Analyse für einen Betrieb der Metall verarbeitenden Industrie“ geschrieben. Hierfür sei ihm der akademische Grad eines Doktors der Wirtschaftswissenschaften verliehen worden.

Aschermittwoch. Alles vorbei. Alles Scheiße!
Wahrscheinlich bestand der Fehler darin, überhaupt für den Bundestag zu kandidieren. Denn wenn Du in einem so großen und großartigen Kreis wie Steinfurt richtig was werden, ja sogar in den Bundestag willst, dann geht es nun einmal nicht anders. Dann brauchst Du einen Doktortitel. Unbedingt. Irgendwie.
Der Parteifreund, der immer der Gegenkandidat war, hat schließlich auch einen. Und der Sozi, der ihn immer geworden ist, auch. Ohne den Titel hätte er also gar nicht antreten brauchen, der Dieter Jasper.
Und gewonnen hat er, der Dieter Jasper das Direktmandat. Knapp, aber Mehrheit ist Mehrheit. Und jetzt das! Die SPD beschwert sich beim Bundestagspräsidenten, die Linken auch, und der Spiegel macht eine große Geschichte draus. Alles Scheiße!

Die Bundestagsverwaltung prüft. Die Sache ist heikel; dagegen kann es einem ziemlich wurscht sein, was das edle Volk darüber denkt. Könnte man meinen. Aber überlegen Sie mal: der Dieter Jasper, der ist doch sein Leben lang nie so richtig weg gekommen von Muttis Ofen. Erst seit einem Viertel Jahr ist er wenigstens die Hälfte der Zeit weg. In Berlin. Aber es geht nicht ohne den Wahlkreis.
Und so kommt dem Dieter Jasper auch der Bundestagswahlkreis Steinfurt III auf einmal so klein und mickrig vor. Es ist Aschermittwoch. Die Passionszeit beginnt. Es ist alles so furchtbar. Mickrig und klein, ja: richtig klein.
Karneval haben sie gefeiert, diese bescheuerten Bauern. Köstlich amüsiert haben sie sich. 500 Gäste bei der Gala in Obersteinbeck, steht in der Zeitung. Überschrift: „Doktor-Titel im Sonderangebot“. Alles Scheiße!

Und dann dieser beknackte Text; das soll wohl westfälisch Platt sein:
„Ja, nomen est omen. Usen Do it your self man ut Hopsten, den Bundestagsabgeordneten Dr. Dieter Jasper. Kaum hef he den feinen Titel, schon is de wier weg. Dor kann man bloß seggen: „Wiet halen und dür betahlen. Hier will noch eener.“ Lange hatte gleich ein ganzes Sortiment von Doktortiteln in der Tasche und warf sie ins Publikum. „Da giff et nu in Hopsten in der Postenbörse int Sonderangebot.“
 

Werner Jurga, 17.02.2010

 

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