Mimi und Wojna wie Du und ich nicht

Die politische Internet-Zeitung aus Duisburg

Dies ist die Fortsetzung des Textes „Jetzt schon  alles klar?“ vom 22.04.2009.

„Schon jetzt alles klar?“ ist freilich eine ziemlich blöde Frage. Denn nichts ist klar, gar nichts. Wer weiß, was noch so alles passieren kann? Global wie lokal.
Andererseits könnte man auch wieder meinen, dass lokal so furchtbar viel eigentlich nicht mehr passieren kann. Was da, also hier, nämlich allein in dieser Woche passiert ist! Man kann es gar nicht glauben.
Ich z.B. hatte mich schon fest darauf eingestellt, dass bei der Kommunalwahl, genauer: bei der Wahl eines Oberbürgermeisters, im Grunde alles klar ist. Ohne Irgendjemandem zu nahe treten zu wollen: für mich lief die OB-Wahl ganz klar auf …

Kleiner Einschub: überhaupt die Politiker! Also die Politiker – ich kann Ihnen sagen. Irgendwie kennt man die ja auch gar nicht. Okay, ich z.B. kenne welche von der SPD. Aber das will nicht viel heißen. Da bin ich ja auch Mitglied. Aber sonst kenne ich kaum welche. Gut, den ein oder die andere von der CDU. Noch ein paar Grüne. Ein paar Linke mehr. Aber sonst. Man kennt die ja gar nicht, diese Politiker.

Wo war ich eigentlich stehen geblieben? – Ach ja, die Duisburger OB-Wahl habe ich ganz klar zulaufen sehen auf eine Entscheidung zwischen Sauerland und Brandt, also zwischen dem CDU- und dem SPD-Kandidaten. Ganz schön spannend, nicht wahr?!

Mimi for Oberbürgermeisterin

Aber jetzt wird es erst einmal so richtig spannend. Eine unabhängige Kandidatin hat ihren Hut in den Ring geworfen, nämlich die uns allen ans Herz gewachsene und früher auch auf dieser Homepage mitunter mit einer Seite bedachte Mimi Müller. Ja, die Mimi Müller, die Kolumnistin mit unserem Duisburger oder Ruhrpott-Slang.

Mal ehrlich: glauben Sie, dass Politiker die Wahrheit sagen?! – Aha!
Ganz anders sieht die Sache bei OB-Kandidatin Mimi aus.
Die redet Tacheles: „Ich gebe nicht vor, Ahnung von Politik zu haben.” Dieser Frau kann man vertrauen. Schon wegen ihrer Ehrlichkeit. Und wenn sie auch dies ehrlich meint: „Ich gehe davon aus, dass ich gewählt werde”, stellt sich natürlich die Frage: was tun, wenn ihr als OB dann doch einmal so ein kleines bisschen Ahnung nicht schaden könnte. – Auch kein Problem:
Dafür brauche sie Unterstützung, wünscht sich im Falle des Wahlerfolgs den bisherigen Amtsinhaber Adolf Sauerland (CDU) und seinen Herausforderer Jürgen C. Brandt (SPD) als Bürgermeister. Und damit es mit den beiden zukünftigen Assistenten nicht schon im Vorfeld unnötigen Zank und Streit gibt, will sie an politischen Tafelrunden mit ihren Kontrahenten um das Oberbürgermeisteramt nicht teilnehmen.
OB Mimi – das wäre ja eine schöne Sache. Endlich Schluss mit dem Parteien-Hickhack. Und die Politiker – egal, ob CDU oder SPD - müssen auf eine hören, die dem Volk aufs Maul schaut. Und endlich mal Leistung bringen! Recht hat sie, die Mimi. Wenn die mal aufhören mit dem Postengeschacher (innen) und dem Beschimpfen der Konkurrenz (außen), dafür aber ihre Arbeit zum Wohl der Sache einbringen, wie es schließlich jeder anständige Arbeitnehmer auch machen muss, dann, ja dann hätte ich gar nichts gegen Politiker.

Hauptsache: die haben nichts zu sagen und bringen ihre Leistung. Zu sagen haben müssten Leute, die so denken und fühlen wie das Volk. Die heißen schließlich ja auch Volksvertreter. Also jetzt nicht der oder die OB, aber zum Beispiel die Bundestagsabgeordneten. Aber die Volksvertreter sind auch hier wieder Politiker. Das kann doch nicht richtig sein!

Wojna for Bundestag

Aber auch hier, also nicht nur bei der Kommunalwahl, nein: auch bei der Bundestagswahl keimt Hoffnung auf. Hurra, Wojna tritt an. Ja: der Wojna, der Sänger und Texter der Rapgruppe Die Bandbreite. Wojna teilt mit:
Ich möchte für den Bundestag kandidieren in unserem Duisburger Wahlbezirk I, zu dem Duisburg-Mitte, -Süd und Rheinhausen zählen. Ich trete an als parteiloser Direktkandidat … Meine politische Agenda sollte dir ja von unseren Liedern her bekannt sein.
Noch in diesem Monat hatten wir eine kleine Korrespondenz: ich schrieb an Wojna, er gab mir eine Antwort, die ich allerdings nicht ganz verstanden habe.
Er ließ mich daraufhin wissen, dass er mir die Dinge noch einmal erklären wolle, wenn er die Zeit dazu finde. Das hat er natürlich nicht schaffen können; ich konnte ja nicht ahnen …

„Schon jetzt alles klar?“ – Von wegen! Ab jetzt ist alles offen. Jetzt können die Politiker das alles nicht mehr unter sich ausknobeln. Jetzt treten Leute aus dem Volk an.
Na schön, nicht so ganz typisch Volk, keine ganz normalen Leute. Aber das geht ja auch gar nicht: sie müssen ja die Sprache des Volkes aufschreiben können. Das kann ja nicht jeder, das können nur Künstler. Und die wiederum sind keine ganz normalen Leute. Das ist leider nicht zu vermeiden.
Aber wenigstens kennt man die. Ich zum Beispiel kenne die Mimi und den Wojna. Also auch nicht so richtig, sondern vor allem aus der eMail-Korrespondenz. Das lief so ähnlich wie bei dem Hermann Dierkes. Nur dass der eben Politiker ist und inzwischen nicht mehr für irgendetwas kandidiert.

Überhaupt: das kann man alles gar nicht miteinander vergleichen.

Werner Jurga, 24.04.2009                                                         wird fortgesetzt

 

Die kursiv und blau dargestellten Passagen sind Zitate aus dem Bericht „OB-Kandidatin Mimi“ der WAZ Duisburg vom 21.04.,
die kursiv und rot dargestellten Passagen ist ein Zitat aus einem Newsletter der Bandbreite vom 22.04.2009.

 

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