Janssen in Münster

Die politische Internet-Zeitung aus Duisburg

Da hätte man natürlich dabei gewesen sein müssen, da hätte ich dabei gewesen sein müssen. Dummerweise ist mein Anzug gerade in der Reinigung, und die Einladung ist wieder einmal nicht bei mir angekommen. Gestern war nämlich der Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters; OB Sauerland hielt Hof.
„Zirka 400 Personen aus Politik und Verwaltung, aus Wirtschaft und Gesellschaft“ waren zugegen. Meine Freunde waren, wie in der NRZ unschwer zu erkennen, auch da; nur ich mal wieder nicht.
Also müsste ich spekulieren, hätte ich nicht die WAZ im Abo. So weiß ich: doch gut, dass ich nicht dabei war; es herrschte nämlich eine

wehmütige Stimmung

Klar, in Walsum machen sie die Zeche dicht, in Bochum ...
– überhaupt, der kleine Mann muss alles ausbaden. Überall fliegen die Leute raus, es geht nur um den Profit, bei denen, die noch Arbeit haben, kommt der Aufschwung nicht an, die werden an der Zapfsäule abgezockt; aber die Aktionäre werden immer reicher. Die Schere zwischen arm und reich öffnet sich immer mehr ...
- hätte man in der Tat bis gestern noch meinen können.
Aber heute hat sich mit einem Schlag alles geändert,

 mit einem Mal soziale Gerechtigkeit:

die Aktienkurse sind auf einen Schlag mehr als fünf Prozent weniger wert. Endlich geht es auch einmal den Reichen an den Geldbeutel. Und der Ölpreis – nix ist mit den Prognosen Jurga – steht jetzt nicht mal nur so kurz, sondern richtig unter 90 Dollar. Da der Dollar aber nicht zugelegt hat, der Euro eher ein wenig schwächer geworden ist, verwandelt sich die Tanke jetzt bestimmt in einen Schnäppchenmarkt. Und die Zinsen sinken deutlich; dann wird ja alles gut, sagt Oskar Lafontaine jedenfalls immer. Preissenkungen auf weiter Front ...
Bestimmt hat das mit dem Rausschmeißen jetzt auch ein Ende. Der Nokia-Chef spricht mit dem Gesamtbetriebsrat, der WestLB-Chef erklärt, dass er nicht im Traum daran gedacht hat, 2000 Menschen zu kündigen, und bei so viel Einsicht der Konzerne verzichtet dann auch der SPD-Chef, der über sich selbst als „der Parteivorsitzende“ spricht, darauf, deren Lobbyisten zu feuern.

Ich würde sagen: das ist der Aufschwung für alle. Für alle, das heißt auch: für Karl Janssen. Denn nur das ist Gerechtigkeit: es muss für alle aufwärts gehen. 

 Karl Janssen will auch einmal OB werden

Heute steht in der Münsterländischen Volkszeitung:  „Am 13. März sollen die Mitglieder in einer Versammlung darüber abstimmen, ob der amtierende Kreisvorsitzende Markus Lewe oder der Duisburger Bildungsdezernent Karl Janssen als OB-Bewerber antreten sollen .... Zuvor sollen sich beide Kandidaten auf sechs Versammlungen in den Stadtbezirken vorstellen“
Sechs Versammlungen, hat - wie immer - mal wieder alle Hände voll zu tun. Gut zumindest, dass Janssen in Münster lebt. „Janssen kennt Münster wie seine Westentasche, lebt er doch noch immer in der Stadt und war in den 90er Jahren Leiter des städtischen Jugendamtes. Inzwischen arbeitet er in Duisburg, möchte aber nach Münster zurückkehren”, rein beruflich, versteht sich, denn wohnen tut er ja schon, äh: noch dort. Die heutige Münstersche Zeitung fährt fort: “Die China-Affäre (wir berichteten) hat seiner Popularität in CDU-Kreisen offenbar nicht geschadet.“ Freilich meint die MZ die Kreise der CDU Münster, Duisburger Unionschristen sind da kritischer, glaube ich, kann ich aber nicht belegen.

ab heute geht es aufwärts

Alles Nachrichten von nur einem Tag, alle von heute. Wie schnell der Wind sich doch drehen kann! Das konnten die beim Neujahrsempfang gestern ja nicht einmal ahnen. Dementsprechend gedrückt die Stimmung – schon wegen der Walsumer Zeche. Klar: das hat die „zirka 400 Personen aus Politik und Verwaltung, aus Wirtschaft und Gesellschaft“ bestimmt total runtergezogen. So schnell stecken die so was nicht weg. Jedenfalls nennt die Presse keine weiteren Gründe für die „wehmütige Stimmung“, und – wie gesagt – ich war nicht da, könnte also nur spekulieren.
Lasse ich also meinen Phantasien freien Lauf: natürlich ist man in großer Sorge, den Top-Mann verlieren zu können. Die armen Schwarzen! Aber vielleicht ist ja auch der Neue schon da gewesen. Der Frankenstein, Teil 2, der soll ja in zwei Wochen schon anfangen. Genug Arbeit hätte er ja, aber seiner eigentlichen Bestimmung könnte er nicht nachkommen . Es sei denn, diese eigentliche Bestimmung wäre gar nicht der Vatermord (dann hätte ich mich ja schon wieder geirrt), sondern die Rotenbewachung (dann hätte ich ja schon wieder Recht gehabt).
Die Roten spielen in meiner Phantasie derweil „wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ Alle schreien laut: „Keiner!“ Die Profi-Roten, stelle ich mir so vor, gehen auf den neuen schwarzen Mann zu und sagen ganz cool so was wie der alte schwarze Mann: „Hüte Deine Zunge, Fremder!“ Der für die Gleichstellung der Frau steht klopft so kesse Sprüche natürlich nicht und singt tapfer weiter: „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? - Keiner!“ Dass das auch bloß alle schwarzen Männer hören! Der alte schwarze Mann freut sich innerlich, denke ich mir so. Nur mal so angenommen, Der für die Gleichstellung der Frau steht würde weiter singen: „und wenn er kommt, dann laufen wir!“ – Nur mal so angenommen. Dann könnte der alte schwarze Mann sein Lachen bestimmt nicht mehr zurückhalten. Und der hat so eine herzerfrischende Lache, der Adolf Sauerland.

Gott sei dank alles nur so meine Phantasien. Mein Gott, ich bin aber auch ein kaputter Typ! Vielleicht erzählt mir ja mal einer, was da wirklich so abging – gestern.

Werner Jurga, 21.01.2008

 

P.S.: Karl Janssen abends in Münster

 

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