20.12.2007

Die politische Internet-Zeitung aus Duisburg

Kinder, Kinder ...

... ich schaffe das nicht mehr: bis Weihnachten kriege ich das nicht mehr hin. Es knubbelt sich jetzt halt alles so – je näher der heilige Abend rückt.

Ich hatte mir vorgenommen, zum Thema „Kindeswohl jetzt Chefsache“ mir gründlich Gedanken und auch Ihnen damit eine Freude zu machen. Aber es schreibt sich nicht so leicht. Und – leider – es liegen in diesem Zusammenhang so einige Dinge vor, die, tja wie soll ich es sagen: irgendwie verkehrt laufen. Und, wie gesagt: die Zeit ist knapp.
Weihnachten rückt näher, das Fest der Familie, das Fest der Liebe; strahlende Kinderaugen zeugen von glücklichen Herzen der lieben Kleinen, auf dass sie auch die unseren mit selbigem Glück füllen.

Ausgerechnet vor Weihnachten, etwa seit Anfang Dezember, ist es dann passiert. Eine Serie von Tötungsdelikten, begangen von den eigenen Eltern an kleinen Kindern, schreckte die Republik aus der vorweihnachtlichen Stimmung. Die WAZ zählte “Zehn tote Kinder in einer Woche”, wobei auffiel, dass das allgemeine Entsetzen nur einem „statistischen Ausreißer“ geschuldet ist. Sie erinnern sich: eine psychisch kranke Frau, die - wie es aussieht – bei Behörden Hilfe gesucht und von einer psychiatrischen Klinik abgewiesen wurde, brachte etwas später ihre fünf Kinder um.

ZDF-Links zum Thema

Interview mit Georg Ehrmann
(Deutsche Kinderhilfe Direkt)

"Kindergipfel" im Kanzleramt -
Kinderschutz vorerst nicht ins Grundgesetz

Besuch beim Kinderarzt wird künftig Pflicht

Kinderschutzbund fordert:
Kinderrechte ins Grundgesetz
 

Ein kinderfreundliches Land

Diesen „Sondereffekt“ rausgerechnet, liegen wir durchaus im Schnitt: ich hatte gerade ins Netz gestellt, dass in Deutschland jede Woche drei Kinder von ihren Eltern ins Jenseits befördert werden, da ergab meine Recherche in der Kriminalstatistik, dass wir längst über vier liegen.
In der zweiten Dezemberwoche wurden wir abermals aus der vorweihnachtlichen Stimmung gerissen mit der Meldung, dass Kinder so ungewöhnlich häufig an Leukämie erkranken, wenn sie in der Nähe eines Atomkraftwerks wohnen. Das ist zwar seit Jahren bekannt, überall auf der Welt so – heißt aber noch lange nicht, dass dies an der nuklearen Strahlung liegen muss. Das kann nämlich eigentlich gar nicht – wenn man sich an den gesetzlichen Grenzwerten orientiert. Ist also wohl Zufall. Wenn nicht, dann müssten nämlich, so sagt – jetzt´s kommt´s – auch die Atomlobby, alle AKWs sofort abgeschaltet werden.

Hier schließt sich der Kreis. Ich hatte Ihnen nämlich nicht nur einen Text über das Kindeswohl in Aussicht gestellt, sondern auch einen über den Klimawandel. Nun ja, aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Man könnte ja auch mal gucken, wie es den lieben Kleinen ergeht, wenn sie nicht am AKW wohnen, sondern in der Nähe eines supermodernen, im Grunde ökologischen Kohlekraftwerks. Oder in der Einflugschneise von Logport subventionierte Diesel-Abgase schnüffeln.
Naja, bestimmt keine Leukämie. Blutkrebs hat mehr so irgendwie mit Tschernobyl zu tun. Oder Krümmel. – Das war heute Morgen ein Ding: ich pflege ja die WAZ Richtung ersten Kaffee zu schleppen, wenn ich die Augen noch nicht ganz auf- und das Hirn noch nicht ganz eingeschaltet habe. Blick auf die Schlagzeile: „Atomkrieg in Europa“. Oh, denke ich, das ist aber jetzt mal echt schlecht. Wegen der Kernstrahlung und so, aber klar: verguckt: „Autokrieg“. Puh, Glück gehabt! – Ja sorry, das Wort „Autokrieg“ ist mir bis heute noch nie unter gekommen; „Atomkrieg“ dagegen war früher einmal jahrelang Trendsetter.
Jedenfalls wehren wir uns. Die Autoindustrie gemeinsam mit ihrem Fachpersonal von der Abteilung „Vorreiter im Umweltschutz“: Öko-Angie, Wirtschafts-Glos und auch Umwelt-Gabriel (Niedersachsen, fest bei VW verwachsen). Aber so schön wie schon vor Wochen der Huber Erwin hat es noch keiner gesagt: „Wir Deutsche (?) lassen uns von Europa nicht zu einem Volk von Kleinwagenfahrern degradieren!“ Richtig!

Und ehrlich gesagt: zu meiner Kindheit war die Luft hier wesentlich schlechter. Da war die Parole „Blauer Himmel über der Ruhr“ noch nicht so gefragt, die Grünen gab´ s noch lange nicht, die Schornsteine sollten dampfen. Und deshalb: fahren Sie ruhig mit Ihrem etwas zu groß geratenem Auto durch die Gegend rum. Das ist wirklich nicht das Hauptproblem der Kinder in Deutschland. Nur, ich meine: wenn Sie so einen großen Schlitten fahren, dann können Sie ja – vielleicht jetzt, wegen Weihnachten – ein klein wenig abgeben.
Und weil zu meinem Eintrag vom Montag, den 17.12.2007, die kritische Anmerkung kam, dass es genug Leute gibt, die einfach deshalb nichts abgeben können, weil sie selbst nichts haben, hier die Selbstverständlichkeit: wer nix hat, kann auch nix abgeben!
sinngemäß zitiert nach dem Jesuskindchen, das sich im Alter von etwa 30 Jahren veranlasst sah, dies einer fanatischen Spaßbremse in seinem Verein entgegen zu halten. Dieser ganz besonders verbohrte Gutmensch, der schon gemoppert hatte, wenn für die Mädels mal lecker Parfüm angerollt wurde (“hätte man ja auch den Armen geben können“), hatte sich dann etwas später seinen Platz in der (neueren) biblischen Geschichte dadurch gesichert, dass er den guten Christusjesus an seine Foltermörder verraten hatte. Merke: Fundis sind komisch ...

Aber wenn Sie ein bisschen was springen lassen können, ich glaube nach wie vor: für die Kinder hier und weltweit ist UNICEF der heiße Tipp. „United Internet“ schießt noch einmal den gleichen Betrag hinzu (ich bekomme keinen Cent für Ihren click!) und Sie können den trotzdem von der Steuer absetzen.
Wenn Ihnen das aber alles zu unübersichtlich und / oder Sie nun echt kein Moos haben, helfen Sie hier in Rheinhausen den „Bürgern für Bürger“. Die haben doch jetzt ein neues größeres Heim bekommen, und der Rolf Karling kann Leute gebrauchen, die anpacken können. Oder die gut erhaltene Spielsachen haben. Oder Kleidung. Oder, oder, oder ...
A bisserl was geht immer ... 
Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten!

Werner Jurga, 20.12.2007



P.S.: da ist ja was dran, was Broder beim ZDF Gucken so aufgeregt hat. Mir geht es nicht darum, dass irgendein Pack (so was gibt es ja auch) den Blagen etwas schenken kann. Mir geht es darum, dass die Blagen etwas zu Weihnachten bekommen.

 

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