Höchste Zeit für einen Aufschrei!

Die politische Internet-Zeitung aus Duisburg

Vorweg: ich bin kein Stahl-Experte. Allerdings: man braucht auch keiner zu sein, um zu merken, dass es ernst wird. Man muss sich nicht einmal intensiv mit der Thematik befassen; es reicht der Blick auf die Überschriften.

Standort Duisburg gefährdet?

fragt der WDR und bringt dazu einen TV-Beitrag in der „Lokalzeit Duisburg”.
ThyssenKrupp baut Stellen ab titelt eher etwas unaufgeregt die Kölnische Rundschau. Vielleicht wollte man sich aber einfach nicht so genau festlegen und hat deshalb vorsichtshalber darauf verzichtet, eine Zahl zu nennen. Im Dossier der Financial Times Deutschland (FTD) hieß es zwar am 20.03.2009 klipp und klar: ThyssenKrupp will über 3000 Jobs streichen. Okay, nach oben ist die Zahl nicht ganz so klar; aber wie die WAZ unter der hübschen Überschrift

Thyssen-Krupp sucht Gleichgewicht

auf die Idee kommt zu behaupten, 3000 Stellen seien „in Gefahr“, bleibt rätselhaft. Nochmal: nach oben ist die Sache offen. 3000 Arbeitsplätze stehen fest – mindestens. So sagt auch ein ThyssenKrupp-Sprecher den Finanznachrichten (FN): "Größenordnung noch unklar"; und doch kann man hier Konkretes erfahren: Nach Informationen des Blatts soll der größte Teil der Stellenstreichungen mit rund 2000 Arbeitsplätzen auf die Stahlsparte entfallen.
Am Wochenende war zu ThyssenKrupp Material in Hülle und Fülle zu finden. Ich will es bewenden lassen mit einem Zitat aus dem FTD-Leitartikel (diese werden nicht signiert und geben die Meinung der Redaktion wieder). Treffende Überschrift: „Nach dem Frühling kommt der Winter“; treffende Bemerkung:
Mit einem geplanten Abbau von mehr als 3000 Stellen geht ThyssenKrupp als eines der ersten Großunternehmen in Deutschland sogar richtig in die Vollen.

Sicher, in der Stahlindustrie gilt die Montanmitbestimmung, und das Management (die Herren mit den klangvollen Namen) behauptet (bislang), dies ohne betriebsbedingte Kündigungen bewerkstelligen zu können. Aber wenn es hart auf hart kommt, nutzt auch keine „volle Parität“; dann gibt die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag. Und ganz gewiss kommt es hart auf hart. Und letztlich ziehen Beitz, Cromme und Schultz an einem Strang.

Im Januar hatte ich die Gelegenheit, mit dem Oberbürgermeister über die wirtschaftlichen Perspektiven Duisburgs im Krisenjahr 2009 zu plaudern. Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit sei wohl nicht zu verhindern, war auch Herrn Sauerland klar. Aber meine Prognose zur Arbeitslosenquote Duisburg am Ende des Jahres fand er doch wesentlich zu pessimistisch. Ich hielt 25 % für wahrscheinlich und 30 % für nicht ausgeschlossen. Unverkennbar verortete der OB meine Schätzung für außerhalb jedweder Realität.

Duisburg steht vor Deindustrialisierung

Zugegeben: ich vertrat damit eine Außenseiterposition. Und es ist auch nicht die Aufgabe eines OB, schwarz zu malen. Nur: dieses Gespräch liegt zwei Monate zurück. In Zeiten des Absturzes ist das eine Ewigkeit.
Im Januar hätte auch ich nicht gedacht, dass eine Schließung des Stahlstandortes im Duisburger Norden überhaupt nur in Erwägung gezogen werden könnte. Heute ist man kein Defätist, sondern Optimist, wenn man hofft, dass die Hälfte stehen bleibt. Über HKM und Arcelor Mittal im Duisburger Süden möchte ich nichts sagen, da ich – wie gesagt – kein Stahl-Experte bin und grundsätzlich nicht gern Klagen riskiere. Über die Lage der Autozulieferer in Duisburg muss ich nichts sagen; bei Google erhalten Sie eine große Presseschau. Sachtleben im Duisburger Westen kämpft nach Aussage des Geschäftsführers ums reine Überleben. Und was die Logistik-Standorte betrifft …

Zeit für einen Aufschrei!

Kurzum: Duisburg steht vor seiner weitgehenden Deindustrialisierung. Dies ist keine Schwarzmalerei. Es ist ein Alarm. Die Stadt droht zu sterben. Alle in und für Duisburg Verantwortlichen müssen spätestens jetzt laut und unüberhörbar Alarm schlagen! Verglichen mit dem, was auf Duisburg zukommt, sind alle anderen prominenten Werksschließungen in Vergangenheit und Gegenwart – bei allem Respekt – Kleinkram. Es ist allerhöchste Zeit für einen Aufschrei!

Werner Jurga, 23.03.2009

 

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