Die Geschichte mit dem Kurt

Die politische Internet-Zeitung aus Duisburg

Zur ursprünglichen Fassung dieses Beitrags erklärt Ensar Kurt, dass er nicht IGMG-Mitglied ist.
Richtigstellung

Dies ist nicht die Geschichte mit der Maus. Es ist auch keine Geschichte mit dem Klaus. Es ist vielmehr

Die Geschichte mit dem Kurt

Eine weitere Neuerung: diese Geschichte spielt nicht in Rheinhausen, sondern in Recklinghausen. So viel Neues schreit förmlich nach altbewährten Zutaten. Als da wären: die SPD, genauer: deren Jusos, die Kommunalwahl, die Türken – genug Stoff also für eine spannende Geschichte!
Nein, bitte! Legen Sie jetzt nicht auf! Quatsch, ich meine: klicken Sie jetzt nicht weg! Öffnen Sie sich für Neues! Auch wenn die genannten Zutaten nicht weiter interessieren mögen, ehrlich: die Geschichte hat was! Angenommen, Sie heißen nicht Kurt, sind auch nicht Mitglied oder Wähler der SPD, und auch kein Türke – immerhin leben Sie in einer Kommune. Damit geht es schon mal los. Und überlegen Sie nur einmal, wie viele Leute Kurt heißen! Sie werden staunen: deutlich mehr als Sie denken. Und noch mehr Leute wohnen in Recklinghausen. Und noch einmal mehr haben ein SPD-Parteibuch. Na also! Es geht hier keineswegs um ein Minderheitenthema. Zugegeben: dass jemand Kurt heißt, in Recklinghausen wohnt und in der SPD ist, das ist schon etwas Besonderes. Genauer gesagt: war etwas Besonderes. Ich bin zwar fest davon überzeugt, dass in der Recklinghausener SPD immer noch der ein oder andere Kurt Mitglied ist, nur eben nicht derjenige, von dem diese Geschichte handelt. Dieser Kurt ist nämlich aus der SPD ausgetreten – allerdings erst letzte Woche.

Am 18. Juli hatte die Recklinghäuser Zeitung (RZ) gemeldet, dass Kurt aus der SPD ausgetreten ist. Sein Onkel hat übrigens gleich mit ihm das Parteibuch zurückgegeben. Ja, mögen Sie denken, so etwas kommt vor. Okay, und dass sein Onkel auch Kurt heißt, wird Sie möglicherweise auch noch nicht so richtig vom Hocker hauen. Ob es daran gelegen haben könnte, dass unser Kurt, also der Neffe, letztes Jahr noch gehofft hatte, dass ein „Bundeskanzler Kurt Beck …“?
Das wäre gewiss ein denkbares Motiv. Am 22.02.2008 stand in der WAZ Recklinghausen:
“Nach 2009 wird sich dann vieles ändern - ich habe hoffentlich mein Abi und Kurt Beck ist Bundeskanzler - so dass ein Umdenken in den Köpfen der Menschen stattfindet”, gesteht er schmunzelnd.
Nun müsste der junge Kurt sein Abi haben; aber Kurt Beck ist weg. Und auch vom großen Umdenken ist wenig zu spüren, nicht einmal in den Köpfen der Menschen. Wer kann schon sagen, was so etwas in einem jungen Wirrkopf alles auslösen kann?!
Und dennoch: das Scheitern Kurts, also Becks, dürfte m. E. nicht das ausschlaggebende Motiv gewesen sein, dass Kurt aus Recklinghausen die Sozialdemokratische Partei verlassen hat. Ob der Onkel Kurt dabei eine Rolle gespielt hat? – Das glaube ich schon eher. Aber das will und kann ich freilich nicht behaupten. Ich kann ja gar nicht wissen, was in dem Kopf von dem jungen Kurt so ganz genau vor sich geht. Ich weiß nur, dass Ensar und Tugrul Kurt gleichzeitig aus der SPD ausgetreten sind. Letzte Woche.

Milli Görüs

Tugrul Kurt ist Mitglied der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG). Zur Erinnerung: Milli Görüs ist genau der Islamistenverein, der am 10. Januar in Duisburg mit Hamas-Fahnen und Kopftüchern für den Flaggen-Skandal gesorgt hat. Den auch der Verfassungsschutz als demokratiefeindlich und antisemitisch einstuft. Damit wir uns recht verstehen: die Milli Görüs Demonstranten hatten sich nicht darauf beschränkt, Parolen gegen Israel zu skandieren, vielmehr wurden die scheußlichsten Sprüche gegen „die Juden“ gebrüllt. Und keineswegs nur von einzelnen, die Video-Belege stehen im Netz.
Dort ist also Tugrul Kurt ambitioniertes Mitglied. Um bei Milli Görüs etwas zu werden, reicht es aber nicht aus, ein frommer Türke zu sein. Tugrul Kurt war und ist ein islamistischer Kader. Ich weiß nicht, wie lange er schon bei der IGMG ist, gewiss aber länger als ein Vierteljahr.

Seit einem Vierteljahr besteht nämlich die „Integrationsliste“ IWI (Interkulturelle Wählerinitiative), die von Tugrul Kurt angeführt wird. Das Wahlprogramm 2009 der Interkulturellen Wählerinitiative wurde am 30.06.2009 durch die Mitgliederversammlung beschlossen. Ein Foto aus dieser Versammlung, das Ruhrbaron Stefan Laurin gemacht hat, finden Sie hier. Tugrul Kurt ist der junge Mann, der das Limoglas hebt, wohl um sich noch eine Limo zu bestellen. Der Herr, der freundlich in die Kamera blickt, dürfte Onkel Ensar Kurt sein. Er ist auf Platz Drei der „Integrationsliste“. Gefolgt vom Rechtsanwalt Andreas Scholz, der mir Rassismus vorwirft. Einen Einblick in sein Denken gewährt er in einer ganzen Reihe von Diskussionsbeiträgen, die sich an meinen Israel-Beitrag bei den Ruhrbaronen anschließen. Andreas Scholz war stellvertretender Vorsitzender der FDP Recklinghausen. Nebenbei: im Frühjahr 2002 geriet die FDP in eine bundesweite Krise, weil Möllemann versucht hatte, den Ex-Grünen Deutsch-Syrer Jamal Karsli in den Kreisverband aufzunehmen. Fragt man bei den Ortskundigen nach, gewinnt man den Eindruck, dass die Vergangenheit nicht schläft, sondern dass - wie überall – „über Jahre gewachsene Strukturen“ die Szene prägen. Aber klar: die Möllemänner sind ein örtlicher Sonderfall, und zugegeben: 2002 war unser Kurt erst elf oder zwölf Jahre alt.
Und heute ist Tugrul Kurt Listenführer einer kommunalen Wählerliste, die sich „Integrationsliste“ nennt, obwohl Milli Görüs nichts mehr am Herzen liegt, als die Integration von Muslimen in die Gesellschaft zu verhindern. Wie gesagt: letzte Woche, erst letzte Woche (!) ist Tugrul Kurt aus der SPD ausgetreten. Damit ist er einem Parteiauschluss zuvorgekommen. Denn wie in allen Parteien ist es auch in der SPD untersagt, auf einer konkurrierenden Liste zu kandidieren.
Ob die dortige SPD davon Kenntnis hatte, dass Tugrul Kurt Mitglied der IGMG ist, kann ich nicht sagen. Vielleicht wusste es der SPD-Stadtverband, was die Frage aufwürfe, warum antidemokratische Judenhasser in der Partei geduldet werden. Vielleicht wusste man es auch nicht, was zu der Frage führte, was die Recklinghausener SPD überhaupt weiß.
Immerhin weiß ein Vorstandsmitglied des SPD-Stadtverbands beizusteuern:
Es ist schlicht und einfach unwahr, dass Tugrul Kurt Vorsitzender der Jusos in Recklinghausen ist oder war.

Schlicht und einfach vergessen hat der Genosse, dass Tugrul Kurt Juso-Vorsitzender in Recklinghausen-Süd ist - zum Zeitpunkt, als diese Zeilen zu Protokoll gegeben worden sind – und es bis vor einer Woche war. Und weiter wurde vergessen, im Internet die Seite zu ändern, auf der Tugrul Kurt mit Foto als Juso-Vorsitzender zu sehen ist.

Werner Jurga, 25.07.2009

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