Der Drahtzieher

Die politische Internet-Zeitung aus Duisburg

gysi, der drahtzieher

Spiegel-Titel
 3 / 1990

Das brauchen Sie mir nicht zu sagen! Ich weiß das sehr wohl: es gibt wirklich auch noch andere Themen / Personalien als Karl Janssen. Und vor allem: es gibt wirklich auch noch andere Themen / Personalien als Hermann Dierkes. Nämlich mich zum Beispiel.

Deshalb habe ich über Hermann Dierkes mehr als zwei Wochen kein Wort verloren. Dies mag an meiner Bescheidenheit liegen oder auch an meiner Fairness. So hatte ich am 27. Februar in einem Blog,  der weitaus mehr Leser findet als dieser hier, geschrieben:

Hermann Dierkes ist zurückgetreten. Er und sein engster Kreis in den Führungen der Duisburger und der NRW Linkspartei liegen am Boden. Da ist Nachtreten verboten. Die Schlacht ist geschlagen; die Kampagne ist beendet.

Da habe ich mir das aber zu einfach vorgestellt. Als wenn ich zu bestimmen hätte, wann Feierabend ist! Nicht mit Hermann Dierkes! Und nicht mit seinem inner circle!
Nur, wie ich schon zwei Tage später, nämlich am 1. März, feststellen musste: Auf mich hört ja keiner, Dierkes schon gar nicht.
Und so gab es Interviews, Presseerklärungen, Solidaritätsadressen und schließlich eine Parteiversammlung der Duisburger Linken, die ihn einmütig zum Verbleib als Fraktionsvorsitzenden aufforderte. Sichtlich gerührt, heißt es, nahm er dankend an.
Ich stellte schon vor alledem mein Licht unter den Scheffel und schrieb:
Es wäre jedoch keine Selbstüberschätzung, sondern gewiss ein untrügliches Zeichen von Größenwahn, würde ich behaupten, Hermann Dierkes sei meinetwegen zurückgetreten.
Und fortan schwieg ich zu all diesen Dingen. Obwohl mir keineswegs entgangen ist, dass mich (dennoch?) Dierkes & Co. immer wieder erwähnten. Aber heute scheint es mir wirklich an der Zeit, Danke zu sagen; denn endlich wird es einmal mit der – wie ich finde: angemessenen – Deutlichkeit formuliert: 

"Brandt-Wahlhelfer" räumt Kampagne gegen Hermann Dierkes ein

Zum besseren Verständnis: der "Brandt-Wahlhelfer", das soll ich sein. Und tatsächlich: ich bin Mitglied der SPD. Und da ich annehme, dass die CDU-Mitglieder „Sauerland-Wahlhelfer“ sind, die Grünen „Janicki-Wahlhelfer“ und die Linksparteimitglieder – wie gesagt: Nachtreten gilt nicht - … jedenfalls: so gesehen bin ich bestimmt "Brandt-Wahlhelfer".
Und objektiv sowieso schon mal, zitiert mich die Linkspartei doch richtig mit meiner Einschätzung, dass Dierkes Scheitern dem OB-Kandidaten der SPD in die Hände spielt.
Muss man da noch mehr sagen?! – Man muss natürlich nicht; aber man kann.

Fakten, Fakten, Fakten

… und immer an die Leser denken! Da hilft nur eins: knallharte Recherche.
Nun liegt den Dierkes-Leuten zwar weder ein Geheimpapier noch eine Anwesenheitsliste aus dem Brandt-Wahlkampfteam vor. Aber das kann natürlich auch einfach daran liegen, dass die Sozis - im Gegensatz zu den Linken – einfach nicht jedes interne Papier ins Internet stellen. Sie können sich denken, warum!
Aber immerhin: auch das öffentlich zugängliche Material spricht Bände. So hat man herausgefunden, dass ich eben nicht nur einfaches SPD-Mitglied bin, sondern dass – Achtung! - Herr Jurga Beisitzer im SPD Ortsverein Rheinhausen-Bergheim ist. Und wenn man einmal so weit gekommen ist, dann … will man noch höher hinaus.’
Nicht ohne Häme schreibt der namentlich nicht genannte Autor:

Wir hoffen, Herr Jurga wird seine Karriere in der SPD machen

Weiter werde ich zutreffend zitiert, dass mir an einer ´Kampagne gegen Dierkes sehr gelegen´ war, er (also ich) `die Kampagne mit initiiert hat`.
Diese Zitatenschätze stellen jedoch nicht das Ergebnis einer knallharten Recherche dar, sondern sind schlicht einer eMail entnommen, die ich am 2. März an die Linkspartei geschickt hatte.

Da Sie dies einordnen als "Teil einer bewussten Kampagne", die - wie Sie wissen - von mir mit initiiert wurde, schrieb ich, und schon hatte man das beweiskräftige Zitat. Dann wollte ich auch noch wissen, wer Herrn Dierkes in die Nähe des Naziregimes gestellt hat, und bat um Klarstellung, dass ich das nicht war. Antwort Fehlanzeige.
In dem recht besucherstarken Blog unkreativ.net machte ich in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass die Gleichung Antisemit=Rechter=Faschist=Nazi=Mörder nicht stimmt. Denn leider sind Antisemitismus und Rassismus kein Alleinstellungsmerkmal der extremen Rechten, sondern mitten in der Gesellschaft angekommen. Das ist unstreitig. Ich zitiere Ralf Michalowsky (Stellvertretender Landessprecher DIE LINKE. NRW), der am 24. Februar den lieben Genossinnen und Genossen einen

Vorschlag zur allgemeinen Sprachregelung

in Sachen Dierkes gemacht hat. Darin heißt es: Die LINKE ist eine antifaschistische Partei und selbst der Rassismus der gesellschaftlichen Mitte ist nicht bei ihr angekommen.
Michalowsky listet noch einige andere Punkte nach dem Schema „Wir sind die Guten“ auf und garantiert Dierkes seine „volle Unterstützung“. Weiter im Text: Wir streiten gegen Nazis und alle, die den Holocaust leugnen und verharmlosen.

Zu denen, die den Holocaust leugnen und verharmlosen, gehören zweifellos die türkischstämmigen Brüder Dr. Yavuz Özoguz und Gürhan Özoguz, die im Namen des Erhabenen das deutschsprachige Internet-Portal Muslim-Markt betreiben. Ob sie nun direkt vom iranischen Geheimdienst bezahlt werden oder nicht, die beiden Herren lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie die Politik und die Positionen von Ahmadinedschad und Ayatollah Khamenei vorbehaltlos unterstützen. Und zwar in allen Punkten. Kleine Kostprobe gefällig?

So lange eine Gesellschaft ihren Mitgliedern versucht zu lehren, dass Mann und Frau „gleich“ sind, führt es in der letzten Konsequenz zur Pervertierung des menschlichen Daseins, indem unschuldige Kinder von Homosexuellen Paaren adoptiert werden können!

Und diesen Typen, die wegen „feindseliger Agitation“ gegen das Judentum und eines verklausulierten Aufrufs zum Mord vor Gericht standen, und von denen der Verfassungsschutz behauptet, Ayatollah Khamenei weise sie an, was eine „enge Bindung“ zum iranischen Regierungssystem offenbare – diesen Typen gibt Hermann Dierkes ein Interview . Diesen Sympathisanten eines Regimes, das sich eines Massenmordes an iranischen Sozialisten / Kommunisten schuldig gemacht hat, in dem auch heute Schwule öffentlich aufgehängt werden und Menschen nicht nur gefühlt, sondern tatsächlich Opfer öffentlicher Steinigungen werden, diesen Leuten jammert Dierkes vor, dass meine Aussagen so verdreht und verkürzt dargestellt wurden, als hätte ich in bewusster Anlehnung an die Nazi-Propaganda zum Boykott aufgerufen. Die infame Falschdarstellung wurde von einem dubiosen Netzwerk und Bloggern verbreitet, einschließlich über Presseagenturen. Als Schaltstelle betrachte ich den stellvertretenden Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und Wahlhelfer des SPD-Oberbürgermeisterkandidaten, Dr. Jurga. 

Kampagne oder Wahlkampf unter der Gürtellinie?

ist der Titel einer Unterüberschrift des gegen mich gerichteten Textes.
Okay, ich habe meinen Kopf aus dem Fenster gehalten, und die treuen Befehlsempfänger des Teheraner Mörderregimes könnten auch schon vorher gewusst haben, dass ich ein ganz böser Mensch bin. Wenn es sie denn nur interessierte. Insofern kann mir egal sein, dass Dierkes es für nötig erachtet, mich bei diesen Islamo-Faschisten zu verpetzen. Aber dass er, den die Mullahs noch schneller als mich um einen Kopf kürzer machen würden, wenn sie nur könnten, meint, bei denen wirkliche Freunde zu finden, spricht Bände.
Nein, ich habe Dierkes niemals als „Links-Faschisten“ bezeichnet oder ihn in die Nähe des NS-Rassenwahns gerückt. Dass ich ihn auch niemals als Antifaschisten bezeichnet habe, mag daran gelegen haben, dass ich diesen Begriff nicht so sehr mag, und dass ich das Engagement gegen jeglichen Faschismus ohnehin für eine Selbstverständlichkeit gehalten habe. Aber nach diesem tiefen Abstieg in die Jauchegrube garantiere ich: ich werde Herrn Dierkes auch niemals als Antifaschisten bezeichnen.

Am 15. Januar schrieb ich in einer Antwort an Dierkes´ Brief an die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG): 

Warum machen Sie es nicht einfach so wie der Ahmadinedschad?

Klar, das war Polemik. Es sollte eine polemische Zuspitzung des Umstandes sein, dass Dierkes` Israel-Position bei genauer Analyse kaum von der der iranischen Mörder zu unterscheiden ist. Dass er es über die Monate hinweg so dicke treiben würde, konnte ich nicht ahnen. „Cleveres Agenda-Setting“ attestieren mir seine politischen Freunde. Wahlkampf für den SPD-OB-Kandidaten unterstellt mir Dierkes als zugrunde liegendes politisches Motiv. „Cui bono?“ (Cicero), Lenin für Armleuchter. Nochmal zur Erinnerung: die

Fakten, Fakten, Fakten …

Niemand, schon gar nicht ich, hat seinen unsäglichen Brief vom 14. Januar an die DIG provoziert. Nicht ich habe irgendetwas auf irgendeine Agenda gesetzt, sondern dieser heißgelaufene Linkssektierer. Nicht ich mache mit dem Thema Israel Wahlkampf, sondern er. Nicht ich mache irgendetwas unterhalb der Gürtellinie gegen Dierkes, sondern er schwärzt mich bei denen „im Namen des Erhabenen“ an.
Nach dem „Flaggen-Streit“ im Februar hat Dierkes mit seinem Israel-Boykott das Fass erneut aufgemacht. Nicht ich. Und für ihn konnte kein Zweifel daran bestehen, dass ich erneut dagegen halten würde. Gab es deshalb bundesweites und internationales Aufsehen? Ist Dierkes meinetwegen von seiner Kandidatur zurückgetreten? 

Nach eigenen Angaben soll SPD-Mitglied
Dr. Werner Jurga Drahtzieher der Kampagne sein

Nochmal: einer derjenigen, die die Kampagne losgetreten haben. Und so ein Wort wie „Drahtzieher“ nehme ich ohnehin nicht in den Mund. Ein im Dunkeln arbeitendes ominöses Netzwerk hat sich verschworen, Dierkes ist das Wort im Mund umgedreht worden. So stellt sich der Antisemit das ihm unbegreifliche Weltgeschehen selbst dann vor, selbst dann, wenn nicht die ganze Welt, sondern nur ein kleiner Scheißer zur Debatte steht.

 

gysi, der drahtzieher

Spiegel-Titel
 3 / 1990

Und ich bin der „Drahtzieher“, dessen Erhellungen zugegebenermaßen allesamt auf seiner Webseite nachzulesen sind. „Drahtzieher” – da war doch mal was?! „Drahtzieher“; das kommt mir bekannt vor. – Ach ja, die antisemitische Stimmungsmache gegen Gysi im „Spiegel“ vom 15. Januar 1990.

Damit mir nicht irgendetwas unterstellt wird: ich gehe nicht davon aus, dass Dierkes sich daran erinnern konnte, als er am 17.03.2009 der „Jungen Welt“ zu Protokoll gab:

Sollte sich die Position von Fraktionschef Gregor Gysi durchsetzen, daß Israel aus Gründen der Staatsdoktrin nicht kritisiert werden darf, wäre Die Linke nicht mehr meine Partei.
Nein, Gysi wird sich nicht auf ganzer Linie durchsetzen. Staatsdoktrin oder Staatsräson, jedenfalls werden die Linken Israel auch weiterhin kritisieren (dürfen). Und es sieht so aus, als werde es zukünftig hinreichend Anlass zu berechtigter Kritik geben. Insofern könnte man Dierkes´ wenig verhüllte Drohung als politisch gut abgesichert (und somit konsequenzlos) abtun. Aber beim Thema „Israel“ denkt Dierkes nicht politisch.
Der Tag wird kommen …

Werner Jurga, 19.03.2009

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