Carl Bildt

Die politische Internet-Zeitung aus Duisburg

Nach Schweden greift Israel Norwegen an, schreibt heute der Kurier aus Österreich im Internet. Als Überschrift, morgen bestimmt eine Schlagzeile in Druckerschwärze.
 

Nach Schweden greift Israel Norwegen an

Etwas verwirrend erscheint der Satzbau: Objekt-Subjekt-Objekt. Ich habe keine Ahnung, ob man das im Österreichischen so macht. Und ich bin sicher, dass die Schlagzeilen vor 70 Jahren etwas eingängiger formuliert gewesen waren. Aber das macht ja nichts; es ist ja klar, was die alpenländischen Kuriere mitteilen wollen:
Erst greift Israel Schweden an, und jetzt auch noch Norwegen.
Das gehört sich aber wirklich nicht. Na, wer macht denn so was?! Logisch: die Juden, das ist soweit schon klar. Meine ich aber nicht. Ich meine mehr so prinzipiell: wer macht denn so was?! Erst das eine kleine Land überfallen, und drei Tage später das nächste in der Nachbarschaft. Blitzkrieg.

Dass es diesmal nicht um Krieg, sondern um Diplomatie bzw. um Ermangelung derselben geht, erfahren wir erst bei der Lektüre des Artikels. In der Unterüberschrift wird bereits auf ökonomische Kampfmaßnahmen hingewiesen. Es droht der IKEA-Boykott, schreibt der Kurier süffisant und kann dabei auf empörte israelische Bürger verweisen. Was ist passiert?

Eine schwedische Boulevardzeitung hatte „berichtet“, israelische Soldaten hätten Palästinenser ermordet, um ihnen Organe zu entnehmen und zwecks Transplantation an jüdische Rabbis in den USA zu verschachern.
Eine abstruse Geschichte, die an die Weisen von Zion erinnert und eigentlich keinerlei Beachtung verdiente, hätte nicht gegenwärtig die Präsidentschaft der Europäischen Union Schweden inne. Da wollte die israelische Rechtsregierung Netanjahu / Lieberman nicht schweigen; denn schließlich ist Schwedens Außenminister Bildt ein guter alter Bekannter. Bildt ist umständehalber jetzt Ratspräsident der Europäischen Union.

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Foto: talarforum.se

Carl Bildt

n-tv-Korrespondent Ulrich W. Sahm gibt zu bedenken:
Erst der international beachtete Skandal mit dem derzeitigen Ratsvorsitzenden der EU sorgte dafür, dass diese Lügengeschichten nun bis in den letzten Winkel dieser Erde getragen wurden, anstatt lediglich von ein paar schwedischen Zeitungslesern konsumiert worden zu sein.
Damit hat Sahm zweifellos Recht. Die andere Seite ist, dass das undiplomatische Vorgehen der israelischen Rechtsregierung auch verdeutlicht, mit welcherlei Ratspräsidenten es die EU momentan zu tun hat.

Bildt hatte nämlich die schwedische Botschaft in Israel gemaßregelt, weil sie die Horrorstory, sorry: die Behauptungen der Zeitung (Kurier), verurteilt hatte. Folglich kam er auch Jerusalems Bitte, er möge doch diesen Artikel verurteilen, nicht nach und verwies stattdessen auf die Pressefreiheit, die in Schweden gelte. Bildts Argument verliert keineswegs dadurch an Kraft, dass die besagte Boulevardzeitung ein sehr auflagenstarkes Blatt ist, z.B. wesentlich verbreiteter als die dänische Lokalzeitung, die seinerzeit die Mohammed-Karikaturen veröffentlicht hatte. Dass allerdings ausgerechnet Bildt ein Protestschreiben an die dänische Regierung wegen der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen geschickt hatte, passt dann aber eigentlich nicht so ganz ins Bild. Oder doch?
 

Knut Hamsun

Das ist jedoch noch lange kein Grund dafür, dass Israel nach Schweden nun auch noch Norwegen angreift. Als Grund führt die israelische Regierung die Feiern für Knut Hamsun an, der am 4. August 150 Jahre alt geworden wäre. Knut Hamsun war einer der bedeutendsten norwegischen Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger; da sollte ein runder Geburtstag auch für die Regierung ein Grund zum Feiern sein.
Bei Wikipedia findet sich über Hamsun:
Hamsun war ein großer Bewunderer Deutschlands und ein entschiedener Gegner des britischen Imperialismus sowie des Kommunismus.
So weit an und für sich eine vorbildliche Einstellung, hätte Hamsuns Bewunderung für Deutschland sich nicht auch noch auf den größten Führer aller Zeiten erstreckt. Direkt nach Erhalt der Nachricht von dessen Tod, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs,  schrieb Hamsun einen Nachruf auf Hitler:
„Ich bin nicht würdig, über Adolf Hitler mit lauter Stimme zu sprechen und zu irgend welchen rührseligen Redereien laden sein Leben und sein Wirken nicht ein. Er war ein Kämpfer für die Menschheit und ein Verkünder der Botschaft vom Recht für alle Nationen. Er war eine reformatorische Gestalt von höchstem Range und sein historisches Schicksal war, dass er in einer Zeit beispielloser Niedertracht wirken musste, die ihn am Ende zu Boden schlug.”
Keine rührseligen Redereien; schon sind die Juden sauer.

Zum Schluss eine gutgemeinte Warnung an die israelkritischen Freunde des palästinensischen Volkes und der arabischen Nation. Nicht sofort ins Schwärmen geraten für Skandinavien im allgemeinen und für Herrn Bildt im besonderen! Die Wahlerfolge der rechtspopulistischen Parteien verdanken sich im Norden vornehmlich antiarabischer – und nicht etwa antisemitischer – Hetze. Und Herr Bildt ist nur deswegen vom Vorwurf der Volksverhetzung freigesprochen worden, weil nach Ansicht der Staatsanwaltschaft (!) Bildt glaubhaft versichern konnte, dass sein Mitarbeiter vergessen hatte, einige Hetzbeiträge im Blog zu löschen, zum Beispiel einen Aufruf zum Völkermord an Palästinensern.

Werner Jurga, 24.08.2009

 

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